Start info@alexander-miro.de Menue
Menue

 

Analysen zur Nutzung des Mediums Fernsehen

 

 

 

Von:

Alexander Miró

 

 

Inhalt

 

Inhalt 2

 

1. Einleitung. 3

2. Die Massenmedien. 3

3. Die Herausbildung des Mediums Fernsehen. 5

4. Die Eigenarten des Fernsehens. 6

5. Studien zur Abstinenz. 8

6. Welche Aufgaben erfüllt das Fernsehen?. 12

6.1 Strukturierungsfunktion für den Alltag. 12

6.2  Die Unterhaltungsfunktion des Fernsehens. 13

6.3 Informationsfunktion des Fernsehens. 16

7. Zusammenfassung. 17

 

 

Literaturverzeichnis. 18

 

 

 

1. Einleitung

 

Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Einblick zu geben in ein Medium, daß die Umwelt des Menschen verändert hat. Diese Veränderung zeigt sich, wie ich in meinen weiteren Ausführungen noch zeigen werde, in vielen Bereichen; angefangen im engsten Bereich der Familie, bis hin zu Veränderungen, die sich mit der Nutzung des Mediums in der gesamten Gesellschaft ergeben (erwähnt sei hier z.B. die Möglichkeit des Menschen, durch den Gebrauch dieses Mediums Einblicke in gesellschaftliche- und kulturelle Zusammenhänge zu bekommen).

Es wird jedoch deutlich werden, daß dieses Medium (gemeint ist hier das Medium Fernsehen) nicht nur zu „verteufeln“ ist, sondern sehrwohl auch positive Leistungen erbringt (eine moderne Gesellschaft, wie wir sie in den westlichen Ländern kennen, würde ohne ein solches Medium, mit all seinen Informations- und Unterhaltungsfunktionen, nicht mehr diesen Standard halten können wie sie ihn derzeit erreicht hat): „‘ Kommunikationssysteme helfen, die Zunahme von Gedachtem, Gewußtem und Gemeintem, von Tatsachen, Sachverhalten und Prozessen überhaupt noch Kommunizierbar zu machen....“[1].

Fernsehen hat sicherlich, gerade in den letzten dreißig bis vierzig Jahren, also angefangen mit der Nachkriegsphase, einige bedeutende Hürden, was Verbreitung und Popularität betrifft, überwunden. Es ist sozusagen zu einem Gebrauchsgegenstand avanciert, das einzug gehalten hat in die Wohnungen der Konsumenten, und zwar in solch vollkommener Art, daß bei Eurich / Würzberg gar von einer „fünften Wand“ gesprochen wird;[2] auch dies soll hier Thematisiert werden. Ebenso werde ich darstellen, wie, also in welchem Ausmaß dieses Medium genutzt wird.

 

2. Die Massenmedien

 

In unserer heutigen, von technischen Neuheiten überfluteten Gesellschaft, sticht eine Entwicklung hervor: Ich rede von der Entwicklung der Massen-  bzw. Kommunikationsmedien. In kaum einem Bereich wurden technische Veränderungen so sichtbar wie im Bereich der Massenmedien. Dies zieht sich durch die verschiedensten Kommunikationsmedien (also Radio, Fernsehen, Zeitung und Zeitschriften) und endet schließlich beim Computer[3].

Die Veränderung vollzog sich jedoch nicht nur auf dem technischen Sektor, sondern, parallel hierzu, begann eine Entwicklung, die auf der sozialen Ebene zu suchen war; eine Veränderung also, die auf das Konsumverhalten der Menschen zurückzuführen ist, die diese Medien nutzten. Es ist zu beobachten, daß der Nutzer, der diesen Medien gegenübersteht, seine Einstellung, seinen Standpunkt zu diesen erweiterten Möglichkeiten im laufe der Zeit völlig verändert hat. War sein anfängliches Interesse eher zögerlich, so fand dieses Medium innerhalb kürzester Zeit[4] eine breite Akzeptanz.

Nicht zuletzt hierauf ist es zurückzuführen, daß diese neuen Kommunikations- und Unterhaltungsmedien ein interessantes Untersuchungsobjekt darstellen. Es finden sich die verschiedensten Interessengruppen[5], die diesem sich verändernden Nutzungsverhalten und dem daraus resultierenden Folgen auf den Grund gehen  wollen. Im Mittelpunkt stehen z.B. Fragen, „...,welche Formen integrierter Nutzung des Medienensembles sich in den Familien verfestigt haben oder sich möglicherweise durchsetzen werden, wie sich Alltagsrituale im medienbezogenen Handeln herausgebildet haben, wie sie sich verändern und schließlich, welche subjektiven Verarbeitungsformen, Deutungsmuster und medienbezogenen Nutzungsformen vorherrschen bzw. dominieren werden.“[6]. Unter den Auftraggebern solcher Untersuchungen sind sowohl Interessengruppen der „Medienindustrie“, als auch kritische Beobachter dieses sich verbreitenden Mediums zu finden (so tauchten gerade in den letzten Jahren verstärkt kritische Stimmen aus dem Bereich der Jugend und Familienforschung auf)[7].

Aufgrund dieser ungeheuren ‘Analyseflut’ fällt die Auswahl einer möglichst objektiven Einschätzung der Situation sehr schwer, da sich hierdurch, und durch die sich ergebenden Interessenkonflikte der Auftraggeber jener Studien, viele Studien und Untersuchungen widersprechen.

 

3. Die Herausbildung des Mediums Fernsehen

 

(Massen-) Medien erfreuen sich, gerade in unserer westlichen Welt, einer zunehmenden Beliebtheit. Jeder geht täglich mit ihnen um, oftmals ohne sich hierüber recht bewußt zu sein.

Die Nutzung eines der heute wohl wichtigsten Massenmedien ist nun in den letzten 20-30 Jahren geradezu "explosionsartig" angewachsen. Dies bezieht sich nicht etwa nur auf die  Nutzungsdauer[8], sondern vielmehr auf den Umgang mit diesem Medium: ich rede vom Massenmedium Fernsehen.

Wie sieht die Veränderung nun im konkreten aus? Der wohl deutlichste Punkt ist jener, daß das Fernsehen inzwischen zu einer der beliebtesten Freizeitbeschäftigungen herangereift ist, was einer entsprechenden Untersuchung von Eurich / Würzberg zu entnehmen ist[9]. „Ein wesentliches Merkmal des Fernsehens ist seine Fähigkeit, alle diejenigen ‘klassischen’ Freizeitinteressen der breiten Mehrheit aufzugreifen und in spezifischer Weise zu ‘befriedigen’, die es vor ihm gab und neben ihm gibt.“[10] Gerade diese Fähigkeit ist es denn auch, die den Nutzungsumfang in dieser Prägnanz ansteigen ließ.

Fernsehen hat sich also zu einem „allround“- Medium entwickelt (ein Medium also, das in fast allen Situationen seinen Anwendungsbereich findet), das die bisherigen Freizeitaktivitäten des Menschen ersetzt und statt dessen seine Funktionen (vgl. Abschnitt 6, S.11), in den Lebensbereich des Menschen hineinträgt.

Dies zu untersuchen ist nun Aufgabe der Wissenschaft (was aus oben genannten Gründen nicht leicht fällt, vgl. S.4). Die Analyse über das Sehen der vom Fernsehen „fabrizierten“ Bilder ist jedoch nur ein Segment, ein weiteres wäre jenes, die Wirkungen dieser Bilder zu  untersuchen. Hierbei entsteht wiederum das Problem, einzelne Wirkungen einem bestimmten Programm, einer bestimmten Sendung, ja, überhaupt „dem“ Fernsehen als solchem zuzuordnen.

Grundlage einer solchen wissenschaftlichen Auseinandersetzung sind jedoch empirische Daten, die dazu verhelfen, einen besseren Einblick in dieses Medium zu vermitteln.             

 

4. Die Eigenarten des Fernsehens

 

Zu Beginn seiner Entwicklungsgeschichte hatte das Fernsehen ausschließlich die Aufgabe die Rolle des Kinos zu übernehmen. Diese Aufgabe veränderte sich jedoch im laufe der Zeit dahingehend, daß das Fernsehen in einen eher allgemeinen "Gebrauchsgegenstand" überwechselte. Diese Veränderung wird deutlich, wenn man sich die Verbreitung der Fernseher in den Haushalten der Bevölkerung ansieht: so besaßen im Jahre 1964 nur 55% der Haushalte einen Fernseher, während diese Zahl bis 1990 auf 98% (bzw. 99% in den östlichen Bundesländern) anwuchs[11]. Die Sendedauer des Norddeutschen Rundfunks veränderte sich parallel hierzu ebenfalls markant: so betrug die Sendedauer  1952 nur 3 Std./Tag  während sie 1985 schon 28000 Std./Jahr betrug[12]. Die durchschnittliche Sehdauer wuchs von 1979 bis 1985 um 30 min./Tag an[13]. Eine weitere Aussage über das Konsumverhalten gibt folgende Zahl, demzufolge die ARD pro Jahr ca. 120 Spielfilme aufkauft (die sodann ausgestrahlt und konsumiert werden)[14].

Alleine diese Daten verdeutlichen, daß das Fernsehen gerade in jüngster Vergangenheit an Bedeutung gewonnen hat. Diese Aussage findet dadurch eine Unterstützung, daß es eine Parallelentwicklung zwischen einem veränderten Freizeitverhalten einerseits, und der Verbreitung des Fernsehens andererseits gibt. Das Freizeitverhalten hat sich demnach dahingehend verändert, daß die Zeit außerhalb der festen Arbeitszeit zunehmend im Hause verbracht wird, da die Verbreitung des Fernsehens ebenfalls einem Höhepunkt entgegenstrebte (das der Fernsehkonsum das Freizeitverhalten des Menschen also in zunehmendem Maße beeinflußt und z.T. vielleicht sogar bestimmt hat)[15].

Der Mensch richtet sich also immer mehr und intensiver nach dem Fernseher. Das Medium diktiert unser Leben, oft ohne das wir dies merken oder es als absonderlich einschätzen. Es ist ‘normal’ geworden, daß eine Unterhaltung vom Geräusch des Fernsehklanges untermalt wird, wir reden in diesem Falle einfach etwas lauter um verstanden zu werden. Die Konzentration, die man einem Gespräch entgegenbringen müßte, wird so durch das Fernsehen abgelenkt.

Der Konsum des Fernsehprogramms findet indes ebenfalls nicht mit voller Konzentration statt: empirische Untersuchungen belegen, daß 1/5 der gesamten Sehdauer darin besteht, daß zwischen den verschiedenen Programmen hin- und hergeschaltet wird (diese verschiedenen Sender werden dann aber auch nur zwischen 1 und 14 Minuten verfolgt, so daß auch hier kein vertiefender Fernsehkonsum stattfinden kann). Das dargestellte Verhalten läßt vermuten, daß eine ‘rationale’ Auswahl eines Programms nicht stattfindet[16], was hier zählt, ist allein das Moment des Konsumierens, der Entspannung und des "gar nichts" Tuns:

 

„Am liebsten sehe ich etwas, wo ich mich entspannen kann: Lustspiele, Dramen zum Beispiel sehe ich nicht so gern ... Die schlagen auf die Stimmung ... Wenn Feierabend ist, habe ich meine Filzlatschen an und mein Bierchen dabei. Dann lasse ich mich unterhalten.“[17]

 

Hier tritt ein grundlegender Unterschied zu den Anfängen des Fernsehens in Erscheinung, wo das Programm nach seinen Besonderheiten durchforstet wurde, wo das Durchformten der Programme an sich schon eine Besonderheit darstellte.

Angeführt sei hier, in welcher "skurrilen" Atmosphäre sich ein Fernsehabend zu Beginn der Entwicklung des Fernsehens vollzog. Wie sich, im Kreise der Nachbarn, Bekannten und Familienmitglieder eine Atmosphäre des neuen, des prickelnd Aufregenden entwickelte. Gebannt wurde das Fernsehprogramm verfolgt, ein Amüsement, das von allen Beteiligten als etwas sehr gesellig und unterhaltendes empfunden wurde (hierbei sei darauf hingewiesen, daß die Programmvielfalt und deren Dauer mit der unsrigen nicht zu vergleichen war)[18].

Mit dem Erscheinen privater Anbieter auf dem Markt der Televisionsmedien beginnt in Deutschland eine neue Ära. Sie wird vor allem dadurch gekennzeichnet, daß diese Anbieter in diesen Markt mit einem bis dahin in Deutschland unbekannten Konzept eindringen; ein Konzept, das in den USA jedoch schon seit längerem erfolgreich praktiziert wird. Verändert hat sich bei ihnen, daß sie ihre gesamte Finanzierung durch Werbeeinnamen sichern, somit also keinerlei finanzielle Unterstützung aus den Fernsehgebühren erhalten. Hieraus erwächst die Notwendigkeit, möglichst viele Zuschauer an ihr Programm zu binden (da ansonsten ihre Finanzierung gefährdet wäre), in noch viel existenzielleren Dimensionen. Es zwingt den Anbieter dazu, in spezieller Weise auf die Wünsche der Kunden (also die Fernsehkonsumenten) einzugehen. Die privaten Anbieter scheinen sich mit diesem Konzept mit Bravour auf dem Markt behaupten zu können, denn, rund ein drittel der Fernsehkonsumenten sieht zusätzlich zu den öffentlich-rechtlichen auch private Kanäle. Jeder dritte hiervon sieht sogar ausschließlich private Programme[19].

Weshalb operieren die privaten Anbieter jedoch so erfolgreich? Die privaten Anbieter haben in ihre Programmteile eher die „leichten“ Unterhaltungselemente integriert (Programmteile also, die leichter zu konsumieren, und daher auch für eine breitere Bevölkerungsschicht  zugänglich sind). Das Fernsehen entwickelt so die Möglichkeit alleine als Nebenbeschäftigung, als Nebentätigkeit zu fungieren.

Den öffentlich-rechtlichen Anbietern würde ich hingegen eher unterstellen wollen, sie würden zumindest den Versuch unternehmen ein etwas gestreuteres Programm anzubieten. Der eher spröde unterhaltende Faktor läge also, wie schon erwähnt, eher bei den privaten Anbietern, deren Existenzkampf wesentlich dichter am Verhalten der Konsumenten orientiert ist.

Auch die Ausstattung der Haushalte mit Satellitenempfangsgeräten oder Kabelfernsehen unterstützt eine Entwicklung, die eher in eine oberflächlich-unterhaltende Richtung weist, da nicht zuletzt hierdurch die Medien, die hierüber zu empfangen sind, in einen weiteren Konkurrenzdruck geraten. Des weiteren stehen dem Konsumenten mit diesen Techniken nicht mehr nur vier oder fünf Programme zur Verfügung, er kann hier unter zwanzig bis fünfzig Programmen auswählen. Untersuchungen von 1986 besagen denn auch, daß sich etwa 20-40% der Haushalte diesen „Luxus“ der Programmvielfalt gönnen, bei denen die technische Möglichkeit eines Anschlusses besteht[20]. Parallel zur erweiterten Nutzung dieser neuen Technik wurde jedoch die Beobachtung gemacht, daß sich auch das Konsumverhalten mit diesem erweiterten Angebot veränderte. So wurden in den Haushalten, die mit Kabel oder Satellitenempfänger ausgestattet waren, in der Folgezeit wesentlich mehr Unterhaltungsfilme gesehen, während der Konsum von Kultur-, Wissenschafts-, Bildungs- und Informationssendungen hingegen stagnierte[21].

 

5. Studien zur Abstinenz

 

„Fernsehen ist eine 'durchdringende Komponente einer konsum- und medienvermittelten Lebensform' geworden, die sich von 'der uns bekannten Kommunikationsstruktur wegentwickeln und zu einem vernetztem System führen (wird), in dessen sichtbarem Mittelpunkt der Bildschirm steht'.“ [22]

 

Dieser Satz steht in engem Zusammenhang mit dem nun zu analysierendem Sachverhalt, nämlich, inwieweit das einzelne Individuum noch dazu in der Lage ist, diesem stetigen Angebot der elektronischen Kommunikationsmedien (insbesondere dem Fernsehen) zu widerstehen. Der einfachste Ansatz wäre hier die These, daß ein jeder die Entscheidung unabhängig von irgendwelchen externen Faktoren fällen kann (das ein jeder dieses Medium in völliger Eigenverantwortung ein- bzw. abschalten kann). Dieser Ansatz erscheint mir jedoch nicht richtig, wenn man den Grad der Verknüpfung des Fernsehens mit dem Alltag in Beziehung bringt. Fernsehen ist dermaßen in unser aller Bewußtsein integriert, daß dies wiederum zu  einer unbewußten Nutzung führt. Insofern würde ich sehr konkret von einer Mitverantwortung der Medienanbieter in Bezug auf das Konsumverhalten der Fernsehnutzer reden. Es ist darin zu sehen, daß sie es sind die dieses Medium gestalten. Eine Verantwortung, die es sich nicht ausschließlich zur Aufgabe macht ein Programm zu erstellen, sondern die es sich darüber hinaus zur Aufgabe macht ein gutes Programm zu erstellen (eine Überlegung also, die die ökonomischen- und finanziellen Gesichtspunkte nicht zwangsläufig in den Vordergrund rückt). Es gibt kein anderes Medium, das in dieser Klarheit als Garant für Öffentlichkeit steht. Das Fernsehen selber präsentiert sich als Teil des Lebens, als Teil des Alltags, also als Teil der menschlichen Beziehungen - weshalb sollte dies ausgerechnet an der Stelle eine Unterbrechung finden, an der seine eigenen Belange einmal nicht vorderste Priorität hätten. Die Zahlen sprechen jedoch eine andere Sprache: die Einschaltquoten der jüngeren Konsumenten steigen, und diese werden in den späteren Abendstunden nicht etwa aus dem laufenden Programmen ‘entlassen’[23]. Ebenso in den Vormittagsstunden, wo ein immer umfangreicheres Programmangebot auf ‘die neue Fernsehgeneration’ wartet[24].

Programmzeit ist heute, insbesondere bei den privaten Anbietern, zum wichtigsten

‘Produktionsfaktor’ geworden, denn nur hieraus lassen sich die erforderlichen Finanzierungsmöglichkeiten ableiten. Der Markt um die beste Werbemöglichkeit ist härter umkämpft als es den Anschein hat. Dies belegen folgende Zahlen der Nettowerbeumsätze: Die Daten für 1985 wiesen für die ARD 860 Mio. und für SAT1 6 Mio. DM an Werbeeinnahmen aus. !993 hatte sich das Bild dann schon folgendermaßen verändert; die ARD hatten hier 550 Mio. und SAT1 1700 Mio. DM Werbeeinnahmen[25]. Die geschilderte Brisanz dieses Marktes entsteht dadurch, daß die Produktanbieter gegen den an sich (mit Produkten) gesättigten Markt ‘ankämpfen’ müssen, um ihr Produkt gewinnbringend auf dem Markt anbieten zu können. Dies wirkt sich nun unmittelbar auf den Werbemarkt aus, auf dem ein Konkurrenzstreit der verschiedenen Werbeagenturen um die sich verknappenden Werbeverträge entbrannt ist.

Der Fernsehkonsument gerät aufgrund der für ihn nicht nachzuvollziehenden Zusammenhänge dieser Medienwelt in ein Abhängigkeitsverhältnis, dem er hilflos ausgeliefert scheint, solange er nicht selber, aus einer Eigeninitiative heraus, versucht, diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen.

Ein Teilaspekt der Untersuchungen beschäftigt sich nun speziell mit der eingeschränkten Mediennutzung bzw. mit dem Verzicht auf diese. Im weiteren Verlauf werde ich zwei von ihnen vorstellen:

In der ersten Studie (die von 1976 stammt) wurde zwei Untersuchungsfamilien auferlegt, vier Wochen lang auf den Fernsehkonsum zu verzichten. In einem folgenden Gespräch sollten sie sodann über diese Zeit, und über ihre Einstellung zum Fernsehen allgemein, berichten. In folgenden Punkten ergaben sich Übereinstimmungen:[26]

 

° Das Fernsehen trage zur Sinngebung bei

° Fernsehen würde die Freizeit ausfüllen

° Während des Fernsehkonsums fände eine Konfliktverdrängung statt

 

Die zweite Studie arbeitet mit 182 Personen, die, mit positiven Sanktionen belegt (den Testpersonen wurde über die Zeit der Nichtnutzung des Fernsehens eine bestimmte Geldsumme versprochen), solange wie möglich auf den Fernsehkonsum verzichten sollten. Diese Studie brachte folgende Ergebnisse[27]:

 

° innerhalb des ersten Monats wurde das Experiment von 10 % abgebrochen

° nach dem dritten Monat von 58 %

° nach dem vierten Monat von 90 %

° der Rest beendete das Experiment nach dem fünften Monat

 

Sicherlich ist eine solche Studie nicht über zu bewerten (so hätte man z.B. bei veränderten Sanktionen möglicherweise andere Ergebnisse erhalten), sie bestätigt jedoch in der Grundaussage die bisherigen Ausführungen eines Abhängigkeitsverhältnisses.

Gerade die erste der hier vorgestellten Untersuchungen, in denen übereinstimmend Begriffe genannt wurden, die die Lebensstruktur des Menschen (innerhalb und außerhalb der Familie) in entscheidendem Maße beeinflussen, erscheint mir hier von Bedeutung. Fernsehen setzt offenbar Rahmenbedingungen für den Alltag[28], aber auch für die individuelle Lebensgestaltung. Fernsehen bereitet Vergnügen, es sorgt aber auch für immer mehr Streitereien in der Familie. So besagt eine Studie, in der die Gründe für Streitereien gesucht wurden, daß sich 39 % um die Lautstärke, 32 % um die Programme und 27 % darüber streiten, ob während des Fernsehens gesprochen werden darf.[29]

Das Massenmedium zieht ein in die Privatsphäre - Öffentlichkeit und Nichtöffentlichkeit verschmelzen. Erstaunlich hieran ist, daß gerade dieses Bindeglied zwischen innen und außen zu einem immer größeren Konfliktpunkt wird; an ihm entbrennen zunehmend familiäre Probleme. 54 % der Väter und 46 % der Mütter sagen, sie hätten durch dieses Medium weniger Zeit füreinander, und wenn ein Gespräch zustande käme ginge der Impuls hierfür zumeist von den Kindern aus. Das Gesprächsthema tangiere hierbei jedoch nicht das aktuelle Fernsehprogramm.[30]

Aufgrund der dargestellten Problematiken, die mit der Nutzung des Fernsehens scheinbar verbunden sind (Familienkonflikte, ‘Vereinsamung’ etc.), gewinnt das Fernsehen jedoch zunehmend an Bedeutung. Thesenhaft sei hier die Frage nach „Ursache und Wirkung“[31]gestellt, ob dies auf eine veränderte Kommunikationsstruktur[32]zurückzuführen ist, „...oder ob das Fernsehen Lücken füllt, die sich durch die Veränderung der Kommunikationsstrukturen ergaben.“[33]. Meyer / Orland begründen diese Fragestellung mit der veränderten Nutzung des Mediums Fernsehen, so hatte es „...anfangs eine eher kommunikations-stiftende Rolle in der Familie [...], man sah die gleichen Sendungen, zusammen mit Besuchern oder bei Freunden oder gar in der Kneipe im Ort...“[34], während sich die Nutzung heute dahingehend verändert habe, daß das Fernsehen eher zur Individualisierung beitrage, da jeder sein eigenes Fernsehgerät habe. „Jeder hat (s)einen Fernhseher, jeder sieht etwas anderes, Fernsehen findet zunehmend in der eigenen Familie statt (wenn in jedem Haushalt ein Gerät steht), bzw. führt zur Individualisierung und zum Rückzug innerhalb der eigenen Familie (wenn innerhalb eines Haushaltes jeder sein eigenes Fernsehgerät hat).“[35]Eines scheint aber gewiß, das Massenmedium ist heute ein Bestandteil unseres Lebens geworden, das aus unserem ‘All-Tag’ nicht mehr zu verbannen ist, man könnte von einer Sucht sprechen, die daß Fernsehen erzeugt (Lukesch tituliert diesen Sachverhalt denn auch mit dem Begriff „Telesucht“[36]).

 

6. Welche Aufgaben erfüllt das Fernsehen?

 

Wie berichtet, scheint das Medium Fernsehen auf den Menschen einen starken Reiz auszuüben; vor allem jüngere Menschen (im Alter zwischen 20-29 Jahren) verbringen einen Großteil ihrer Freizeit vor dem Fernseher[37]. Die Gründe hierfür sind, wie ich ausgeführt hatte, nicht so einfach zu bestimmen, da sie offenbar mehrere Faktoren umspannen (z.B. Langeweile, Kommunikations- und Kontaktschwierigkeiten und nicht zuletzt die Einfachheit der Freizeitgestaltung).

Auf der anderen Seite befinden sich die oligopolistischen Programmanbieter. Wie ich ausgeführt hatte stehen auch diese unter großem Wettbewerbsdruck, so werden es immer mehr Anbieter und jeder dieser Anbieter geht immer spezieller auf die Wünsche der Konsumenten ein. Hieraus entwickelt sich die Frage nach der Verbindung die dieser Anbieter zu seinen Kunden herstellt: welche Aufgaben werden vom Kunden an die Programmhersteller gestellt, welche Erwartungen hat der Kunde wenn er dieses Medienangebot nutzt?

Der Anbieter ist natürlich dazu gezwungen sich diesen Wünschen zu stellen und seine Programme auf diese Wünsche abzustimmen. Er muß daher versuchen diese Interessen, diese Neigungen des Kunden zu berücksichtigen.

 

6.1 Strukturierungsfunktion für den Alltag

 

Eine wichtige Funktion, die das Fernsehen erfüllt, ist die Strukturierungsfunktion des Alltages. Sie steht in engem sicherlich im Zusammenhang mit den ‘alltäglichen Aufgaben’, sei es der Beruf oder sonstige Verpflichtungen denen man nachgeht. Gerade nach der Beendigung dieser Aufgaben trifft der Mensch auf die Frage, wie er seine verbleibende Zeit gestaltet, wie er überhaupt mit freier Zeit umgeht. Die Planung dieser Zeit ist für ihn, nachdem er sich in der verplanten Zeit (z.B. im Berufsleben) fast automatisch nach einem strukturierten und oftmals geplanten Zeitablauf richten muß, sehr wichtig, zugleich jedoch auch sehr schwierig. Das ist daraus abzuleiten, da dies voraussetzt, daß man eine Fähigkeit entwickelt hat, sich Zeit selbständig einzuteilen. Nur wenn der Mensch gelernt hat Zeit (und damit Freizeit) als Freiraum, als Möglichkeit zur ‘Entfaltung der Persönlichkeit’ zu nutzen, kann eine Verplanung dieser Zeit erst stattfinden. Diese Fähigkeit ist aber durch das perfekt vorstrukturierte Berufsleben verkümmert, denn hier wird die Struktur zur Gewohnheit und verläßt allzu leicht die Ebene des bewußten Handelns.

Das Fernsehen hingegen hilft über diese Lücke hinweg, es übernimmt also die Rolle des Planers. Die Welt ist wieder ‘in Ordnung’, da die Einteilung der Zeit des Konsumenten durch das Fernsehprogramm übernommen und zu seiner Zufriedenheit vollzogen wird.

Ein Beispiel für eine solche Planung wäre etwa der Beginn eines Programmteils, etwa der Beginn der Tagesthemen. Der Beginn dieser Nachrichtensendung, nämlich 22.30 Uhr, ist über eine lange Zeit unverändert geblieben. Der Konsument ist daher in der Verfassung, sich seine Freizeit auf den Beginn dieser Sendung einzuteilen, ihn als Fixpunkt seiner Freizeiteinteilung zu bestimmen. Es ist allgemein sehr viel angenehmer, wenn man weiß was man machen kann wenn man nach Hause kommt. Es vermittelt ‘Geborgenheit’ und Sicherheit, die der Mensch in seiner Umwelt nicht mehr findet, hierbei ist es völlig egal, ob es sich bei dieser Wirklichkeit um eine ‘Scheinwirklichkeit’ handelt. Das wichtige ist die absolute Verläßlichkeit mit der das Fernsehen operiert (jeder kennt das Gefühl des Unmuts, wenn ein ausgedruckter Programmteil, den man womöglich gerne auf Video aufgenommen hätte, verschoben wird oder gar ganz aus dem Programm genommen wird). Fernsehen wirkt hier also als verläßlicher "Terminplaner", als Stütze der eigenen Freizeit.

 

6.2  Die Unterhaltungsfunktion des Fernsehens

 

Fernsehen entspannt, vergnügt und vertreibt die Zeit. Hier wird eine andere Funktion des Fernsehens deutlich, nämlich die Unterhaltungsfunktion. Sowohl der gestreßte Manager als auch der von Klausuren geplagte Student setzt sich abends vor das Unterhaltungsmedium Fernsehen und vertreibt sich die Zeit. Das bloße hinsehen ist es was entspannt. Das Amüsement und die Muße ist hier Ziel. Fernsehen verschafft auf diese Weise einen Freiraum, den der Einzelne nirgendwo anders zu finden glaubt, es verhilft zu einem ‘Ausbruch’ aus der individuellen Wirklichkeit. Die Alltagserfahrungen werden so in den Hintergrund gedrängt und verschwinden. Letzteres ist etwa bei den Sportübertragungen zu beobachten, bei denen sich der Zuschauer mit einem Spiel auseinandersetzt, mit dem er möglicherweise in seinem ‘aktivem’ Leben eher weniger oder gar nichts zu tun hat (es gibt viele Zuschauer die sich eben ‘nur’ über das Fernsehen mit Sport beschäftigen, die am aktiven Sport auch keinerlei Interesse haben). 

Dieser „Ausstieg“ aus der aktiven Realität ist auch bei anderen Programmteilen des Fernsehens zu beobachten, so z.B. bei den Serien, die ein Musterbeispiel für die Unterhaltungsfunktion des Fernsehens darstellen. Bei Serien besteht die Funktion nur darin den Zuschauer zu unterhalten. Sie sollen den Zuschauer entspannen, und dies möglichst ohne ihn zu überfordern. Sie sind also ‘leicht verwertbare Kost’. Es sind hier sicherlich Unterschiede vorhanden, die z.B. mit dem ungleichen Publikum  der verschiedenen Sender Zusammenhängen (jeder Sender sucht natürlich die Programmwünsche seines ‘Stammpublikums’ zu erfüllen); sie verbindet jedoch alle, daß der Zuschauer bei ihnen einen möglichst großen ‘Phantasie-Spielraum’ vorfindet. Einen Raum also, in die er seine eigene Persönlichkeit projizieren kann, eine Identifikationsebene.

 Die Möglichkeit, seine eigene Lebenssituation in eine nicht reale Welt zu projizieren, bieten vor allem die ‘Seifenopern’. Und gerade diese ‘Seifenopern’ sind beim Zuschauer sehr beliebt (man sehe sich Serien wie Dallas, Denver-Clan oder die Lindenstraße an, die über mehrere Jahre hinweg ausgestrahlt werden, was zumindest vermuten läßt, daß diese Programmangebote eine breite Akzeptanz erfahren). Welche Beweggründe leiten den Fernsehzuschauer jedoch dazu, eine solche Serie längere Zeit zu verfolgen? Hier ergibt sich die Möglichkeit, mehrere verschiedene Phasen zu unterscheiden: In der Eingangsphase wird der Zuschauer diese Serie aus bloßem Unterhaltungswert einschalten, die Serien haben hier noch die Funktion eine „Allerweltskultur [zu] bestärken“[38]. Jeder kann sie sehen, viele aber werden bereits in dieser Phase einer Serie den Rücken kehren. Als nächstes wird der Zuschauer merken, daß diese Serie auch noch in der Zukunft weiterlebt („..., indem jedermann und jedefrau anderntags darüber ins Gespräch kommen kann.“[39]), sie wird zum allgemeinen Gesprächsstoff. Hieraus kann nun ein weiterer Schritt erfolgen, nämlich die Bildung einer Spezialkultur.

 

„Insbesondere ungelöste und latente Widersprüche, die den Zuschauern verschiedene Lesearten erlauben, die Darstellung von für das eigene Leben wichtigen Erfahrungen und Problemen, die dann durch Nachdenken oder Klatsch in den Alltag rückgekoppelt werden können, oder ‘Lücken’ in den Fernsehserien, die durch eigene Bedeutungen ausgefüllt werden können, erlauben den Zuschauern Aktivitäten, die Spezialkulturen ergeben können.“[40]

 

Eine solche Spezialkultur entsteht dadurch, daß eine bestimmte Gruppe eine bestimmte Serie besonders intensiv verfolgt. Wenn wir dies nun auf unsere ‘Seifenopern’ übertragen, so wird man genau dies feststellen: je länger diese Serien laufen, desto beharrlicher wird der ‘Fan’ diese verfolgen, und desto interessierter wird er daran sein, Menschen zu finden, die dieses Interesse mit ihm teilen. Gegebenheiten aus der hier gesehenen Traumwelt werden in die eigene Wirklichkeit, in das eigene Leben projiziert. Der eigene Nachbar wird so mit dem Nachbarn aus der Serie verglichen und beurteilt.

Ein anderes Beispiel wäre die Serie "Raumschiff Enterprise", die mittlerweile zu einem Kult avanciert. Im Anschluß an diese Serie, die sich wachsender Beliebtheit erfreut, entstand eine wahre ‘Trecky-Bewegung’. Es erschienen Zeitschriften, entsprechende Kleidungsstücke und die verschiedensten Vereinigungen wurden gegründet. Man tauschte weltweit seine Adressen aus und organisierte Treffen, deren Themen sich rund um die Serie drehten (maßvolle Garderobe á la ‘Spock’ war hier selbstverständlich ein muß). Es entstand ein Markt, auf dem Artikel dieser Serie zu erstehen waren (‘echtes’ und ‘unechtes’, ‘Traum’ und ‘Wahrheit’ bildeten auch hier, wie in der Serie, die Basis der Gemeinschaft). Auch hieraus entstand eine Subkultur, eine Welt, in der sich Gruppen zusammenfanden und ihre eigenen Ausprägungen suchten und fanden. Diese Spezifizierung erreichte solche Ausmaße, daß die Weiterführung der Serie in Eigenregie vollzogen wurde, hier wurden Handlungen verändert oder völlig neue ‘erfunden’[41].

Ein drittes Beispiel wäre die Serie ‘Miami Vice’, deren Aussage allerdings ein gänzlich anderes Publikum anspricht. Im Unterschied zu den bisherigen Unterhaltungsfunktionen wird an dieser Stelle ein Schritt gewagt, der eine noch krassere Bindung an die Serie (und damit an das Fernsehen) verlangt, da der Inhalt oder die Handlung dieser Serie fast bedeutungslos wird, während die Aufmachung als solche (die musikalischen Effekte, daß aussehen der Darsteller, die Kleidung usw.) die Brisanz der Unterhaltung ausmachen[42]. Hier wird versucht mittels Musik, Autos, Kleidung und den dargestellten Personen ein ‘feeling’, eine eigene Welt zu konstruieren, die der Zuschauer übernehmen und auf sich übertragen kann. Dem Zuschauer wird hier das Angebot gemacht, in die Handlung einzusteigen, sich selber die Gewohnheiten der Serie anzueignen und sich selber ‘so zu fühlen’ wie die Darsteller.

 

6.3 Informationsfunktion des Fernsehens

 

Wenn wir an das Fernsehen denken, so werden wir zwangsläufig noch an eine weitere Funktion erinnert. Gemeint sind Informationssendungen, Nachrichten und Talkshows. Fernsehen übernimmt in diesen Programmteilen die Funktionen, und damit die Verantwortung, die Bevölkerung objektiv zu informieren.

An erster Stelle wären hier die Nachrichtensendungen zu nennen, die von den verschiedenen Programmen, in den unterschiedlichsten Variationen angeboten werden. In diesem Funktionsbereich ist jedoch seit einigen Jahren eine Veränderung zu beobachten. Eine Veränderung, die durch die immer größere Menge von Informationen, die immer genaueren Informationen einzelner Ereignisse und die immer präzisere Informationsverarbeitung zustande kommt. Sie besteht darin, daß der Einzelne, wenn er dieses wünscht, rund um die Uhr Informationen bekommen kann. Er kann hierdurch seine Kenntnisse, alleine durch die Informationen die ihm das Fernsehen liefert, aufs feinste präzisieren. Zugleich jedoch wird er mit außerordentlich vielen verschiedenen Informationen "beschossen", denen der Konsument (mehr oder weniger) hilflos ausgeliefert ist (es wird immer schwerer aufgrund der Fülle an zu verarbeitenden Informationen, diejenigen herauszusuchen, die für den einzelnen Konsumenten in seiner speziellen Situation von Bedeutung sind, und die ihn wirklich interessieren). Der Zuschauer verlangt also zunehmend nach einer Komplexitätsreduktion[43], die ihm der Anbieter auf folgende Weise bietet: er verpackt Informationen in Unterhaltung (in den USA ist diese Art der Berichterstattung schon jetzt unter dem Namen „news-shows“ zur gängigen Realität geworden)[44]. Auf diese Weise entstanden ‘unterhaltende Informationssendungen’.

Der Zuschauer wird nun, eben durch die genaue Berichterstattung, in die Lage versetzt, daß er aus seinem privaten Umfeld heraus an Informationen gelangt, die ihn ohne diese Medien niemals erreichen würden (er erhält Informationen über die neuesten Ereignisse in Sarajevo, während er im anderen Programm einen Bericht über die sich auftuenden Probleme in Südafrika verfolgen kann)[45]. Er bekommt aber auch Informationen über Gruppen oder Rollen, die er ohne dieses Medium nicht bekommen hätte (er erfährt zum Beispiel etwas über die Rolle des Berufs Lehrer, über dessen Rollenprobleme oder über seine tägliche Arbeit)[46]. Der Zuschauer ist zweifellos informierter, ob er jedoch glücklicher mit diesen Informationen ist, lasse ich dahingestellt.

 

7. Zusammenfassung

 

In den letzten Jahren ist gerade das Medium Fernsehen zu einem zentralen ‘Untersuchungsobjekt’ geworden. Kein anderes Medium wurde gleichzeitig so verteufelt und ‘in den Himmel gelobt’ (die Ursache ist, wie geschildert, in den sich aufbauenden Spannungsfeldern, sowohl innerhalb der Familie als auch Gesamtgesellschftlich, zu suchen. Auf der anderen Seite entwickeln die bedeutenden technischen Möglichkeiten dieses Mediums, wie schnellerer Informationsaustausch, Unterhaltungsfunktion usw., einen ungeheuren Reiz). Ihm (dem Fernsehen) wird zur Last gelegt, daß Kinder und Jugendliche durch den Einfluß desselben dazu animiert würden Straftaten zu begehen. Auf der anderen Seite wird der Fernseher lernunterstützend (etwa im Schulunterricht) eingesetzt. Der Verbraucher möchte von ihm unterhalten, zugleich jedoch objektiv informiert werden. Auf der anderen Seite stehen die Programmanbieter, die ihren finanzielle Status sichern müssen. Dies bedeutet, sie müssen (zumindest bei den privaten Anbietern) ihren Werbepartnern entsprechend lukrative Quoten anbieten, um die finanzielle Basis für ihren Sendebetrieb sicherzustellen.

Fernsehen ist in den letzten vierzig Jahren zum ertragreichen Geschäft der verschiedensten „Branchen“ herangewachsen, in denen zehnstellige Summen verborgen und verschoben werden[47]. Es ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, da es zum Alltag selber geworden ist.

Das Mißtrauen diesem Medium gegenüber jedoch wächst, was auf seine geschilderten, konträren Eigenschaften zurückzuführen ist [48].

Dennoch ist das Fernsehen nicht mehr aus unserem Leben zu verbannen. Es besitzt zu viele Einsatz- und Ausbaumöglichkeiten, als daß dieses Medium aus unserem Leben verbannt werden könnte, es ist zu einem, ja zu „dem“ Medium unserer Zeit geworden.

 

 

 

Literaturverzeichnis

 

 

- Berg, Klaus / Kiefer, Maria Luise (Hrsg.): Massenkommunikation  IV. Nomos

Verlagsgesellschaft, Baden - Baden 1992.

 

- Deckert, Horst / Langenbucher, Wolfgang L. / Nahr, Günter: Die Massenmedien

in der Postindustriellen Gesellschaft. Göttingen 1976.

 

- Eckert, Roland/ Winter, Rainer: Mediengeschichte und kulturelle Differenzierung.

Opladen 1990.

 

- Eurich, Klaus / Würzberg, Gerd: 30 Jahre Fernsehalltag. Wie das Fernsehen

unser Leben verändert hat. (Reinbek:) Rohwoldt 1980.

 

- Lukesch, H.: Von der „radio-hörenden“ zur „verkabelten“ Familie - Mögliche Einflüsse der Entwicklung von Massenmedien auf das Familienleben und die familiale Sozialisation -. In: Nave-Herz, Rosemarie (Hrsg.). Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutschland. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1988, S. 173 - 197.

 

- Meyer, Sibylle / Orland, Barbara: Technik im Alltag des Haushalts und Wohnens.

In: Troitzsch, U. / Weber, W. (Hrsg.). Die Technik. Braunschweig 1982.

 

- Vitouch, P.: Fernsehen und Angstbewältigung. Zur Typologie des

Zuschauerverhaltens. Vitouch, P. - Opladen, Westd. - Verlag, 1993.

 

 



[1]Decker, Horst / Langenbucher, Wolfgang L. / Nahr, Günter: Die Massenmedien in der Postindustriellen Gesellschaft. Göttingen 1976, Seite5.

[2]Eurich, Klaus / Würzberg, Gerd: 30 Jahre Fernsehalltag. Reinbek 1979, Seite 111.

[3]Ein Medium, das mehr und mehr in den häuslichen Bereich eindringt, während es in der Anfangsphase eher im geschäftlichen Bereich eingesetzt wurde.

[4]Es genügten, wie ich noch darstellen werde, für die vollständige Verbreitung dieses Mediums in fast alle deutschen Haushalte, z. T. mit zweit- und drittgeräten, gerade drei Jahrzehnte.

[5]Vgl. unten.

[6]Meyer, Sibylle / Orland, Barbara: Technik im Alltag des  Haushalts und Wohnens. In: Troitzsch, U./ Weber, W. (Hrsg.): Die Technik. Braunschweig 1982, Seite131.    

[7]Vgl. Rogge, Jan Uwe: Neue und alte Medien im Alltag von Familien Situationen, Skizzen und Tendenzen. In  Meyer / Orland a.a.O.

[8]Die Nutzungsdauer wird während der Vormittagsstunden wahrscheinlich nur noch von anderen Medien wie dem Radio oder der Tageszeitung übertroffen.

Vgl. Berg, Klaus / Kiefer, Maria Luise (Hrsg.): Massenkommunikation IV. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1992, Seite 56.

[9]Eurich / Würzberg (1980), Seite 114f.

Hier findet sich eine breite Auseinandersetzung darüber, was überhaupt zur Freizeit zu zählen ist und inwieweit Fernsehen sich hier eingliedert.

[10]Eurich / Würzberg (1980), Seite 118.

[11]Berg / Kiefer (1992), Seite 21.

[12]Lukesch, H.: Von der „radio-hörenden“ zur „verkabelten“ Familie - Mögliche Einflüsse der Entwicklung von Massenmedien auf das Familienleben und die familiale Sozialisation -. In: Nave-Herz, Rosemarie (Hrsg.). Wandel und Kontinuität der Familie in der Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart 1988, Seite 173.

[13]Lukesch (1988), Seite 175.

[14]Eurich / Würzberg (1980), Seite 144.

[15]Berg / Kiefer (1992), Seite 100.

[16]Der Begriff sei hier so verstanden, als daß ich in diesem Verhalten nicht jenen Nutzen entdecken kann, den das Fernsehen in seinen Hauptjunktionen auszufüllen scheint (vgl. Abschnitt 6, S. 11) . Ich möchte hierbei keineswegs in Abrede stellen, daß das Verhalten des Konsumenten aus seiner subjektiven Sicht sehrwohl einen ‘rationalen’ Charakter haben kann, da dieses Verhalten möglicherweise als Teil seiner persönlichen ‘Entspannung’ zu betrachten ist.

[17]Eurich / Würzberg (1988), Seite117.

[18]Vgl. S. 5.

[19]Berg / Kiefer (1992), Seite 69.

[20]Lukesch (1988), Seite 176.

[21]Ebenda.

[22]Lukesch (1988), Seite 180.

[23]Berg / Kiefer (1992), Seite 100.

[24]RTL strahlt z.B. seit kurzem ein spezielles Kinder und Jugendprogramm in den Vormittagsstunden aus.

[25]Die Zahlen stammen aus einem Seminar (Werbung und Kinder - Pädagogische Überlegungen. Mi. 10-12, Raum 305), das ich im Sommersemester 94 im Pädagogischen Institut der Universität Hamburg bei Prof. Dr. Stefan Aufenager belegt habe.

[26]Lukesch (1988), Seite 181.

[27]Lukesch (1988), Seite 181.

[28]Vgl. Abschnitt 6.1, Seite 12.

[29]Lukesch (1988), Seite 188.

[30]Ebenda, Seite 187.

[31]Meyer / Orland (1982), Seite 107.

[32]Meyer / Orland (1982), Seite 107.

[33]Ebenda, (Unterstreichung von mir, AM).

[34]Ebenda.

[35]Ebenda.

[36]Lukesch (1988), Seite 181.

[37]Berg / Kiefer (1992), Seite 101.

[38]Eckert, R. / Winter, R.: Mediengeschicht und kulturelle Differenzierung. Opladen 1990, Seite 96.

[39]Ebenda, Seite 96f.

[40]Eckert / Winter (1990), Seite 97.

[41]Eckert / Winter (1990), Seite 99. Hier erscheinen z.B. Erzählungen über gefühlsmäßige Anwandlungen von „Mr. Spock“, in denen er ein heftiges Liebesleben entwickelt.

[42]Eckert / Winter (1990), Seite 100.

[43]Vgl. Vitouch, P.: Fernsehen und Angstbewältigung. Zur Typologie des Zuschauerverhaltens. Opladen, Westd. - Verlag 1993, Seite 106ff.

[44]Vgl. Vitouch (1993), Seite109.

Ich möchte anmerken, daß auch bei uns in Deutschland solche Informationssendungen, „die unterhaltende und amüsierende Elemente mit Information kombinieren.“ (Vgl. Vitouch a.a.O.) zunehmend an Bedeutung gewinnen, was mich dazu veranlaßte, auch die „Talkshow“, die ein solchen Programmteil darstellt, in dieses Untersuchungsfeld einzubeziehen.

[45]Eckert / Winter (1990), Seite 93.

[46]Ebenda.

[47]hier wären z.B. die Werbebranchen und die Filmproduzenten zu nennen, die über dieses Medium versuchen, sich ein anderes Standbein zu sichern. So konzentrierte sich der Werbemarkt vor der Verbreitung des Fernsehens fast vollständig auf den Bereich der Zeitschriften und der Plakate, während die Filme nur für das Kino produziert wurden.

[48]Man siehe nur in die USA, wo ein angenehmes Verfolgen des Programms nicht mehr möglich ist, da das laufende Programm bis zu sieben mal mit einer Gesamtdauer von bis zu fünfzehn Minuten pro Stunde von Werbeblöcken unterbrochen wird. Vgl. Vitouch (1993), Seite 100.